Samstag, 5. Mai 2012

Epochenüberblick

1. Aufklärung und Sturm und Drang

1.1.Geschichtlicher Hintergrund

→ 1648: Ende des Dreißigjährigen Krieges
→ Absolutismus nach franz. Vorbild
→ 3 Stände-Gesellschaft: Adel, Klerus, Bürgertum


1.2. Weltbild und Lebensauffassung
→ Einfluss von Frankreich: Philosophen, die Recht auf Freiheit im Denken und wirtsch. Handeln fordern
→ Rationalismus und Empirismus statt Tradition und Autoritäten
→ Bedrohung der Macht der Autoritäten → Zensur
→ Aufstreben des Bürgertums
→ Abkehr vom Ständewesen hin zu persönliche Freiheit (Grundrechte)
→ bürgerliche Werthaltung → Werteentwicklung: Gewissen, Freiheit, Gerechtigkeit (siehe franz. Rev.)
→ Empfindungsfähigkeit des Menschen → Liebe zu Freund und Heimat (Patriotismus
→ Bedrohung der Kirche und Obrigkeiten durch Anzweifeln ihrer Machtpositionen

1.3. Aufklärung
Epoche
Aufklärung
Zeitraum
1720 - 1800
Epochenmerkmale
→ Entwicklung einer bürgerlichen Verstandes- und Gefühlskultur
→ Toleranz und Emanzipation
→ rationales Denken
→ Intellektionalismus
→ vernunftgeprägte Weltanschauung
→ Kritkfähigkeit und Fortschrittsglaube
→ Eigenständigkeit (Stärkung Individuum)
→ politische, kulturelle und persönliche Weiterentwicklung
→ „Lernen durch Erfahrungen machen“
→ Widerstand gegen Obrigkeiten
→ Machtverlust der Kirche
Bedeutende Vertreter
→ Voltaire
→ Jean-Jacques Rousseau
→ Immanuel Kant
→ Gotthold Ephraim Lessing
→ Matthias Claudius
→ Georg Christoph Lichtenberg
Bedeutende Themen
→ Toleranz und Mitempfinden – Frieden statt Krieg
→ (moralische) Erziehung des Menschen
→ Gleichheit der Menschen
→ Fordern von Freiheit
→ Religionskonflikte (Nathan)
Konflikte
→ adelige Willkür ↔ bürgerliche Tugend
→ kirchliche Dogmen ↔ subjektive religiöse Empfindung
→ soziale/religiöse Differenzen ↔ Gleichheit, Toleranz
Hauptfiguren
→ der aufgeklärte, mündige Mensch
→ Verantwortung für das eigene Handeln
→ Entwicklung zur Tugend
Bedeutende Werke
→ Emilia Galotti, Nathan der Weise (Lessing)
sonstiges
→ Wichtige Textgattungen:
Fabel, Parabel (Übertrag einer Lehre anhand einer Geschichte)
bürgerliches Trauerspiel (Drama mit „normalen“ Akteuren)
Briefromane
Verzicht auf Pathos, einfache und klare Sprache



1.4. Sturm und Drang
Epoche
Sturm und Drang
Zeitraum
1765 – 1780 (Begegnung Herder Goethe -
Epochenmerkmale
→ „Jugendbewegung“: Autoren vor allem zwischen 20 und 30 Jahren
→ Verbindung zwischen Ratio (Ideale der Aufklärung) und Emotio
→ „Aufklärung mit Herz“
→ Verbindung zwischen Vernunft und Natur
→ Sozialkritik und Kritik an feudal – absolutistischen Missstände
→ Streben nach Freiheit des Einzelnen
→ Selbstentfaltung (bürgerliche Emanzipation)
→ Infragestellen von Autoritäten
→ Rebellion gegen familiäre und gesellschaftliche Abhängigkeit und Unfreiheit
→ Pantheismus (Gott in Natur)
→ Liebes - und Freundschaftskult
→ gefühlsbetonter Patriotismus
Bedeutende Vertreter
→ Johann Wolfgang von Goethe
→ Friedrich von Schiller
→ Jakob Michael Reinhold Lenz
→ Johann Georg Hamann
→ Johann Gottfried Herder
Bedeutende Themen
→ Phantasie, Gefühl, Leidenschaft und Spontaneität, Freundschaft
→ Suche nach Genie (Geniekult), Rebell
→ Naturbegriff (→ Pantheismus)
→ Familie (Vater/Sohn Konflikte, Rivalitätsprobleme)
→ Zerrissenheit des Menschen zwischen Geist und Trieb, Vernunft und Verstand
→ Ständekonflikte
→ Konflikt des Einzelnen mit der Gesellschaft (Bildung einer eigenen öffentlichen Meinung)
→ Kampf um Freiheit
→ Fremdbestimmung/Selbstbestimmung
Konflikte
→ fühlender Mensch ↔ kalte, abweisende Welt
→ der individuell Einzelne ↔ die Willkür der gesellschaftlichen Verhältnisse
→ Leidenschaft ↔ herrschende Sitte und Moral
Hauptfiguren
→ empfindsamer, naturverbundener, liebender Mensch
→ Genie, Rebell, Einzelkämpfer für Recht und Gerechtigkeit
Bedeutende Werke
→ Götz von Berlichingen, Leiden des jungen Werthers, Prometheus (Goethe)
→ Die Räuber, Kabale und Liebe (Schiller)
sonstiges
→ bevorzugte Textgattung
Drama
Briefromane (Werther): Aussprache von Gefühlen durch Erlebnisschilderung mit autobiographischen Elementen
→ Sprache:
metaphorische Gefühlsausdrücke, ausdrucksstarke Gefühlssprache (Ausrufe, Ellipsen, …)
einfache Liedform, Knittelverse, freie Rhythmen
Prosa, natürliche bis derbe Ausdrucksweisen

2. Klassik und Romantik

2.1. Geschichtlicher Hintergrund
→ franz. Revolution
→ Kaiser Napoleon (1804 Selbstkrönung zum Kaiser, 1815 Machtende: Niederlage bei Waterloo)
→ Wiener Kongress: Neuordnung Europas
→ Restauration: Wiederherstellung der Situation vor Napoleon
→ D: Mobilisierung von Truppen gegen Napoleon (Versprechen an Bevölkerung: Verfassung, nationale Einheit)


2.2. Weltbild und Lebensauffassung
→ Literatur unabhängig von der Weltpolitik
→ Ziel: Humanität (Selbstbestimmung des Menschen durch Verstand)
→ Erziehbarkeit des Menschen



2.3. Weimarer Klassik
Epoche
Weimarer Klassik
Zeitraum
1794 – 1805
Goethes Italienreise: Entdeckung der antiken Kultur
Epochenmerkmale
→ Humanität, Ideal, Vervollkommnung, Mündigkeit
→ freie und selbstbestimmte Persönlichkeit (Selbstentfaltung des Menschen)
→ Erziehbarkeit des Menschen
→ schöne Seele (Versöhnung von Vernunft und Sinnlichkeit)
→ Konzentration auf das Wahre und Schöne
→ Einflüsse griechischer Mythologie (Prometheus)
→ Verbindung des Schönen mit dem Menschen
→ Harmonie Mensch ↔ Natur
→ Autonomie und Ganzheit des Kunstwerkes
→ Wahre, Gute, Schöne
Bedeutende Vertreter
→ Johann Wolfgang von Goethe
→ Friedrich von Schiller
→ Johann Gottfried Herder
→ Friedrich Hölderlein
→ Heinrich von Kleist
Bedeutende Themen
→ Freundschaft, Treue, Gehorsam
→ Neid, Stolz, respektlose Wissbegierde
→ Streben nach Ruhm
→ wissenschaftliche Haltung gegenüber Natur
→ Natur als Spiegel der Seele
→ Reisen/Wandern
Konflikte
→ Wahrheit,Autonomie,Humanität ↔ Intrige, Macht, Fremdbestimmung
→ durch Selbstüberwindung, Läuterung,Liebe, … im Weltganzen aufgehen (Goethe)
→ irdisches Scheitern als Erfüllung schicksalhafter Fügung und Gewinn innerer Freiheit (Schiller)
Hauptfiguren
→ Mann als Kämpfer
→ Frau als Bewahrende
→ Figuren als Ideenträger, Verkörperung von Wertvorstellungen
Bedeutende Werke
→ Wallenstein, Wilhelm Tell, Maria Stuart (Schiller)
→ Zauberlehrling, Wilhelm Meisters Lehrjahre (Goethe)
sonstiges
→ Bedeutende Zentren in Deutschland: Weimar
→ Vorbild: Antike
→ Sprache: komplexe Syntax (Hypotaxe), betont kunstvolle Anordnung thematische Verzahnung durch Leitbegriffe (Stichomythie), reich an rhetorischen Figuren, metrisch gebunden, strenge Form


2.4. Romantik
Epoche
Romantik
Zeitraum
1794-1840 (Frühromantik: 1795-1804, Hochromantik: 1805-1814, Spätromantik: 1815-1835)
Epochenmerkmale
→ gefühlsbetonte, das Gemüt ansprechene Haltung (Träumer in „Phanatsiewelt“)
→ Orientierung an Stilformen des Mittelaltres (Volkslieder, Märchen)
→ Dem Normalen einen höheren Sinn geben
→ Anstreben einer „Universalpoesie“
→ von sehr positiven Werken, bis hin zu „schwarzer Romantik“
→ Zusammenarbeit der Autoren, erstmals auch Frauen
→ Beschäftigung mit Philosphie, die mit Phantasie die Welt verändert (Früh)
→ Allmachtstraum der Phantasie (Vereinigung Musik, Kunst, Literatur)
→ Wiederentdeckung des Gefühls (Liebe, Freundschaft, Geselligkeit)
→ Abgrenzung vom Spießbürgertum
→ Sehnsucht nach dem Unbekannten, dem Unendlichem
→ Weg nach innen → persönliche Abgründe und Grenzerfahrungen
→ Mentalität der Aussteiger aus bürgerlichem Leben in die Kunst
→ alles umfassende christliche Religion
→ Abgrenzung von Aufklärung und Klassik
Bedeutende Vertreter
→ Frühromantik: Novalis (Friedrich von Hardenberg), Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck
→ Hochromantik: Clemens Brentano, Joseph von Eichendorff, Achim von Arnim, Gebrüder Grimm
→ Heinrich Heine, Hölderlein
→ E. T. A. Hoffmann, Adalbert von Chamisso, Heinrich von Kleist
→ Frauen: Caroline Schlegel, Dorothea Veit, Sophie Mereau,...
→ Caspar David Friedrich (Maler)
Bedeutende Themen
→ blaue Blume (Streben nach Unendlichkeit, Erkenntnis, Wunsch nach Liebe, Poesie, Religion)
→ Sehnsucht, Reisen, Wandern
→ Entfremdung
→ Nacht, Traum, Dämmerungen (Übergang Tag/Nacht, Nacht/Tag), Tageszeiten
→ Rückblick in die Vergangenheit
→ Übergänge (Tod/Leben, Tag/Nacht)
→ Lieder, Romanzen, Märchen, Volkslieder
→ moralische Inhalte
→ Spuk, Fabelwesen, Phantaise
Konflikte
→ Fantasie, Nacht,Traum ↔ Tag, Wirklichkeit
→ Geschichte, Mittelalter, Vergangenheit ↔ Gegenwart, neue Zeit
→ Künstler ↔ (Spieß-)Bürger
Hauptfiguren
→ der Wanderer / Reisende, der Heimatlose, der Suchende, …
→ der unabhängige Künstler, der Träumer, der Außenseiter, der Taugenichts
→ der Liebende, der Doppelgänger
Bedeutende Werke
→ Aus dem Leben eines Taugenichts (Eichendorff)
→ Märchensammlungen (Grimm)
sonstiges
→ Romantische Zentren in Deutschland: Jena, Heidelberg, Berlin
→ bevorzugte Gattungen: Märchen, Gedicht, Volks/Kunstlied, Tragödie, Komödie, Novelle
2.5. Vergleich
Stichwort
Klassik
Romantik
Natur
Erleben der Natur (Wandern), Idee der Naturentwicklung
Zauber der unendlich belebten Natur (verkörpert in Elfen, Nixen, Zwergen, Feen)
Kunst
Kunst mit sozialer Aufgabe:
durch das Schöne zum Guten und Wahren
Antike als Vorbild
Kunst mit spiritueller Aufgabe:
Unbewusstes und nicht zu fassendes erschließen
Kunst zielt auf Verwandlung der Welt (Poetisierung)
Mittelalter als Vorbild
Menschenbild
Humanismus, Individuum als Maß aller Dinge
Mensch auf Suche nach sich selbst und nach seiner Position im Ganzen
Bild von Staat
Weltbürger in einem Kleinstaat
Nation als Staats- und Gesellschaftverband
Religion
Gott als Schöpfer der Natur
Wiederentdeckung des Katholizismus





3. Vormärz, Biedermeier, poetischer Realismus

3.1. Geschichtlicher Hintergrund + Weltanschauung
→ Napoleon geschlagen und auf Elba im Exil
→ 1814/1815 Wiener Kongress: Neuordnung der pol. Verhältnisse in Europa
→ Versprechen (Verfassung, Grundrechte, usw.) gebrochen, stattdessen: Zensur der Bücher und Zeitungen
→ Enttäuschung in Bevölkerung
→ nach Julirevolution 1930 in F: Forderungen nach Freiheit
→ Zusammenkünfte der Liberalen (Hambacher Fest 1832)
→ Zensur in Folge dessen verstärkt, aber Widerstand bleibt beständig
→ Verfolgung der Liberalen und Anhänger des „Jungen Deutschland“
→ 1848: Revolution in D nachdem F Republik
→ Scheitern der Revolution von 1848
→ Otto von Bismarck (Gegner der Revolution und Sozialdemokratie) → Sozialversicherungssystem, Dreiklassengesellschaft (Ziel: sozialer Frieden)
→ 1870/71: Deutsch-Französischer Krieg (→ wirtsch. Aufschwung auf Grund der franz. Reparationszahl.)
→ Wilhelm I entlässt Bismarck und strebt „Platz an der Sonne“ an (→ Aufrüstung, Expansion)
→ Erster Weltkrieg


3.2. Entwicklung der Literatur
→ Hinwendung zur Wirklichkeit (allgemeines Merkmal nach Goethes Tod)
→ Realismus Gruppe 1 → aktiv etwas verändern
→ Realismus Gruppe 2 → Wirklichkeit poetisch darstellen
→ kritische Auseinandersetzung mit der Politik
→ Abkehr von den Idealen der Klassik hin zu einer realistischen Perspektive



3.3. Vormärz/Junges Deutschland

Epoche
Vormärz
Zeitraum
1830-1850
Epochenmerkmale
→ Verarbeitung historischer Quellen und Dokumente
→ partiotische und demokratische Bestrebungen
→ Forderungen nach mehr Demokratie und Freiheit
→ Werke als Waffen gegen Restauration und Rückschrittlichkeit
→ Ablehnung des Absolutismus und der orthodoxen Kirche
Bedeutende Vertreter
→ Heinrich Heine
→ Ferdinand Freiligrath
→ Georg Büchner
→ Georg Herwegh, Georg Weerth
Bedeutende Themen
→ Aufrufe zum Widerstand
→ Aufzeigen politischer/sozialer Ungerechtigkeit
→ Beschreibung Elend, Ausbeutung
→ Stärkung der Arbeiterbewegung
→ Kritk an Zensurpolitik
→ Einsetzen für Recht, Gerechtigkeit, Emanzipation der Frau
Konflikte
Leiden an gesellschaftlichen Zuständen
Angst, Flucht, Verfolgung,
Künstler ↔ (Spieß-)Bürger
Hauptfiguren
der Engagierte, Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit
der Reisende, Heimatlose, Verfolgte, …
Arme, Entrechtete
Bedeutende Werke
→ Dantons Tod, Woyzeck, hessischer Landbote (Büchner)
sonstiges
Bezeichnung, da Zeitraum vor der Märzrevolution 1848





3.4. Biedermeier

Epoche
Biedermeier
Zeitraum
1815-1850
Epochenmerkmale
→ Rückzug ins Private
→ Werte: Häuslichkeit, Gemütlichkeit
→ Zurückhaltung bei öffentlichem Engagement
→ Aufmerksamkeit für die Details des wirklichen Lebens
→ Durchleuchtung der Natur und zwischenmenschlichen Beziehungen
→ Missbilligung von Emanzipationsbestrebungen
→ Tendenz zum Idyllischen, Natur
→ Heimat, Ehe, Familie, Liebe
→ Religiosität, Geschichte
Bedeutende Vertreter
→ Annete von Droste-Hülshoff
→ Adalbert Stifter
→ Eduard Mörike
→ Franz Grillparzer
Bedeutende Themen
→ Naturbetrachtungen
→ Geschlechterrollen Mann und Frau
→ Heimat, Gemütlichkeit, Bescheidenheit
→ Natur, Schönheit
→ Familie, häusliches Glück
Konflikte
→ ländliche Heimat ↔ gesellschaftliche Bedrohung
→ geheimnisvolle Natur und menschliche Schicksale
Hauptfiguren
→ der/die Genügsame, Gerechte, Ehrliche, Fleißige, Häusliche
→ der Verirrte, Zerrissene
Bedeutende Werke
→ Die Judenbuche (Hülshoff)
→ Der Kondor (Stifter)


3.5. poetischer Realismus

Epoche
Poetischer Realismus
Zeitraum
1850 – 1890
Epochenmerkmale
→ sowohl Weiterführung Vormärz, als auch Weiterführung Biedermeier
→ zentrales Thema: bürgerliche Welt der mittleren/oberen Schicht
→ humorvolle Distanzierung
→ Naturwissenschaften als Grundlage
→ Darstellung menschlicher Charaktere in Abhängigkeit von Herkunft, Tradition, Region
→ Darstellung der Situation des Besitz – und Bildungsbürgertums
→ wirklichkeitsnahe Lebenschilderungen
Bedeutende Vertreter
→ Friedrich Hebbel
→ Theodor Storm
→ Goffried Keller
→ Theodot Fontane
→ Wilhelm Busch
→ Conrad Ferdinand Meyer
Bedeutende Themen
→ Kritk an Wertvorstellungen (Ehe: Effie Briest)
→ Momentaufnahmen
→ Sinneswahrnehmungen
→ Beziehung Eltern-Kind
→ bürgerlicher Alltag und Gesellschaft
→ Wirklichkeit, Gegenwart, Vergangenheit
→ Leben, Liebe, Tod, Stadt, Land, Natur
Konflike
→ gesellschaftliche Konventionen ↔ persönliches Leben
→ tradierte Lebensform ↔ neue Zeit
→ Glück,Fühlen, Treue ↔ Ordnung, Notwendigkeit, Pflicht
Hauptfiguren
→ das private Individuum in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und Werten
→ Bürger, Kleinbürger in der alltäglichen Lebensbewältigung
→ liebenswerte Außenseiter, Sonderlinge in trügerischer Idylle
Bedeutende Werke
→ Maria Magdalena (Hebbel)
→ Schimmelreiter (Storm)
→ Irrungen und Wirrungen, Jenny Treibel, Effi Briest (Fontane)
sonstiges
→ Sprache
Wahrhaftigkeit in der Darstellung der Wirklichkeitsausschnitte
epische Breite, Detailreichtum
Entwicklung über längere Zeiträume
Alltagssprache
distanziert-humorvolle, hintergründige Schilderungen
Rahmenerzählung

3.6. Novelle
→ Thema: ungewöhnliche Begebenheit
→ Gruppen, Zyklen, Rahmenerzählungen
→ vergleichbar mit Aufbau eines Dramas

4. Literatur der Jahrhundertwende

4.1. Geschichtlicher Hintergrund
→ Kaiser Wilhelm I. Politik: Expansion, Kolonien und Aufrüstung
→ Instabilität des Staates durch Auseinandersetzungen zwischen Bürgertum und Sozialdemokratie
→ Erschütterung des Wilhelminismus durch Forderungen nach mehr Demokratie und sozialer Gerechtigkeit
→ Erster Weltkrieg: Ende der Monarchien in Deutschland und Russland (Revolutionen)
→ D: Weimarer Republik, aber Beschneidung der Freiheit durch Vertrag von Versailles
→ 1926: Aufnahme D´s in den Völkerbund
→ 1929: Geldentwertung und Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit
→ Zersplitterung in links und rechts
→ 1933: Machtübernahme Hitler
→ Verunsicherung in der Gesellschaft durch Jahrhundertwechsel und unsichere Zukunft

4.2. Naturalismus
Epoche
Naturalismus
Zeitraum
1890 – 1900
Epochenmerkmale
→ Fortschritt von Naturwissenschaft in Gesellschaft erkennbar
→ objektive Beschreibung des Lebens und der Welt durch Naturwissenschaften (Darwin)
→ Positivismus: Überzeugung von Wissenschaft
→ Darstellung der Wahrheit und des Lebens
→ Darstellung von Problemen der Gesellschaft
→ Aufzeigen von gesellschaftlichen Missständen (Unterschied Arm-Reich)
→ größtmögliche Nähe der Literatur zur Wirklichkeit
→ Milieutheorie: jeder Mensch in seine Situation hineingeboren und vorbestimmt (Alkoholismus vererbbar)
→ Orte: Großstädte, Industrie
Bedeutende Vertreter
→ Gerhart Hauptmann
→ Arno Holz
→ Alfred Döblin
→ Emile Zola (F)
Bedeutende Themen
→ soziale Verwahrlosung und das Elend
→ Unterschied arm – reich
→ Milieutheorie (Menschen in eine Schicht geboren, vgl. Darwin)
→ Entwurzelung der Landbevölkerung, Leben in der Großstadt
→ Verarmung und Entstehen sozialer Krisenherde, vor allem in Großstädten
→ Ausbeutung, Armut, Not
→ Determiniertheit menschlichen Denkens und Handelns
→ Verhältnis Mensch – Technik
Bedeutende Werke
→ Die Weber, Bahnwärter Thiel (Hauptmann)
→ Berlin, Alexanderplatz (Döblin
Konflikte
→ protziger Wilhelminismus ↔ verelendetes Proletariat
Hauptfiguren
→ „das Volk“ als dramatische Person
→ Alltagsmenschen, Benachteiligte, Ausgestoßene, Süchtige, Verbrecher, ...
sonstiges
→ Formel von Arno Holz: Kunst = Natur – x
→ Die Kunst muss sich in gewissem Maße von der Wirklichkeit unterscheiden
→ Bemühung der Künstler: x möglichst klein, damit die Natur so echt wie möglich dargestellt
→ Sprache:
→ Nachahmung von Alltags- und Umgangssprache, Soziolekt, Dialekt bis hin zu Stottern, Stammeln, Atemgeräuschen (fonografische Genauigkeit)
→ offene Dramenform
→ detailgetreuer Reportage- und Dokumentationsstil, Sekundenstil

4.3. Ästhetizismus, Symbolismus, Expressionismus
Epoche
Ästhetizismus, Symbolismus, Expressionismus
Zeitraum
1890 - 1918
Epochenmerkmale
Ästhetizismus
→ Abwendung von der detaillgetreuen Darstellung des Elends im Naturalismus
→ Hinwendung zu der Ästhetik des Schönen und der sensiblen Empfindungsfähigkeit
→ vornehme und gebildete Umgangsformen
→ 2 Denkweisen : - Gestaltung des Schönen im Kampf gegen des Hässliche
- Protest gegen die vorherrschenden Strukturen und Denkweisen
→ verfeinerte subjektive ästhetische Gestaltung


Fin die Siécle
→ melancholischer Blick auf den Zerfall der klassischen Kultur
→ Liebe, Tod, Sehnen, Verlangen
→ Einsamkeit, Ohnmacht, Rettung, Verkündung


Symbolismus
→ Verwandlung der Welt durch Symbole für unanschauliche seelische Vorgänge


Surrealismus
→ Heraustreten aus der Realtität in die Welten des Traums und der Phantaie


Expressionismus
→ Befassen mit Problemen/Spannungen in der Gesellschaft und mit dem eigenen Ich
→ gesellschaftliche Stagnation durch wiss. und ökon. Fortschritt
→ Bekämpfen der Strukturen der wilhelminischen Gesellschaft (Generationenkonflikt)
→ Ziel: Ausdruck der seelischen Frustration mit Hilfe der Kunst
→ Kunst war Ausdruck der Weltsicht der Künstler
→ Nach-außen-Kehren der inneren Kämpfe und Zweifel
→ Ablehnen der Verschönerungskultur der wilhelminischen Gesellschaft
→ herausfinden, was sich hinter den Dingen verbirgt
→ Ablehnung der Trennung zwischen Außenwelt (beschriebene Dinge) und Innenwelt (Gedanken, usw.)
→ teilweise Verzicht auf Sprache, scheinbar unzusammenhängende Werke
→ Entwickeln neuer Stilformen
Bedeutende Vertreter
→ Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Hermann Hesse (Äst.)
→ Friedrich Nietzsche, Thomas Mann
→ Else Lasker-Schüler
→ Robert Musil, Franz Kafka, Gottfried Benn, Georg Trakl, Jakob von Hoddis, (Expr)
Bedeutende Themen
Fin de siécle
→ Verwandeln von Gegenständen in Kunst
→ Verwandlung von Dingen (Metamorphose)
→ Sprache
→ gesteigerte Sensibilität auf Grund tiefer Verunsicherung der Bevölkerung
→ Naturbeobachtungen
→ Angst vor Erstarrung
→ Schönheit, Stil, Liebe
→ Verlust, Verlorenheit, femme fatal


Expressionismus
→ Protest und Aufbegehren gegen das Gültige
→ Faszination des Hässlichen und der Gewalt
→ Darstellung Chaos der Welt, Gleichzeitigkeit in Gesellschaft
→ Ausweglosigkeit einer zerfallenen Welt
→ Vereinzelung, Entfremdung, Auflösung, Verdringlichkeit
→ Aufbruch, neuer Mensch, Revolution
→ Großstadt, Masse
→ Krieg, Angst, Hass, Schrecken, Kampf
→ Traum, Seele, Gefühl
Bedeutende Werke
→ Das Schloss, Der Prozess, Die Verwandlung (Kafka)
→ In Stahlgewittern (Jünger)
→ Die Buddenbrooks (Mann)
→ Verwirrung des Zöglings Törleß (Musil)
Konflikte
→ Fin de siécle
→ Ich-Spaltung / Traum und Realität
→ die verlorene Seele
→ Leben und Kunst

→ Expressionismus
→ Vater-Sohn-Konflikt
→ ausgeliefertes Ich ↔ undurchschaubar-absurde Welt
→ Bedrohung durch technische Massenvernichtung
Hauptfiguren
→ Fin de siécle
→ das verlorene, fühlende, suchende Ich
→ der Meister, Führer
→ der ironisch sich selbst reflektierende Mensch

→ Expressionismus
→ Künstler ↔ Bürger
→ der Kämpfer, Erneuerer
→ die gequälte Seele
→ der Zerstörte
sonstiges
→ Dichter wollen sich von normalen Menschen durch besondere Sprache abheben:


→ Fin de siécle
hohes Form- und Stilbewusstsein: Symbol, Chiffre, Klangbilder, Farb- und Lautsymbolik, Synästhesie


→ Expressionismus
Reihungsstil, Simultantechnik, moderne Chiffre, Neologismus, Verben der Bewegung, Perspektivenwechsel, Kinostil, Collage, Reflexion, Ironie, innerer Monolog, erlebte Rede, Gedankenstrom

4.4. Neue Sachlichkeit vor und nach 1933

Epoche
Neue Sachlichkeit
Zeitraum
1923 - 1938
Epochenmerkmale
→ Nach Niederlage WK I: Umbau zu einer parlamentarischen Demokratie (Wahlrecht, Verfassung, usw.)
→ Behinderung durch rückschrittliche politische Gruppen (Verantwortlichmachung der demokratischen Parteien für WWK und Inflation
→ Antwort: realistische Literatur der neuen Sachlichkeit
→ Schilderung der Welt wie sie ist und Suche nach Gründen dafür (Bsp.: Berlin)
→ Übergang von Literatur zu journalistischer Prosa
→ 1933: Verhaftung der linken und kritischen Autoren
→ Flucht und Exil
Bedeutende Vertreter
→ Berthold Brecht
→ Kurt Tucholsky
→ Alfred Döblin
→ Karl Kraus
→ Erich Kästner
→ Erika Mann, Anna Seghers
→ Ödön von Horváth
Bedeutende Themen
→ neue Formen der Unterhaltungsmedien (Kino, Kabarett)
→ Massenunterhaltung und Illusionssuch
→ Auseinandersetzung mit dem Faschismus
→ Aufarbeitung WK I
→ Kritik an Obrigkeiten
→ Auswirkungen Nationalsozialismus auf die Jugend
→ Auseinandersetzungen zwischen Rechts und Links
→ Exilliteratur: Kritik gegen die Diktatur
→ Ermutigung der Gesellschaft
Bedeutende Werke
→ Dreigroschenoper, Mahagonny (Brecht)
→ Pünktchen und Anton, Emil und die Detektive (Kästner)
sonstiges
→ große Bedeutung des Kabaretts: Bühne für Gedichte der Autoren


4.5. Vergleich Dramatisches Theater – Episches Theater

Merkmal/Aspekt
Dramatisches Theater (Goethe, Schiller)
Episches Theater (Brecht)
Aufbau
In Akte und Szenen eingeteilt, mit Höhepunkt und Katastrophe
In Szenen und Bilder eingeteilt, Unterbrechung der Handlung durch Songs und Kommentare
Schauspieler
Identifizieren sich mit der Figur
Stehen neben der Figur
demonstrieren die Fehler der Figur
Zuschauer
Leiden und fühle mit Helden mit
Betrachten distandziert
bewerten die Figuren und die Handlungen
Bühne
Verschafft Illusion, man sei im Geschehen
Gibt Impulse zum Nachdenken (Brechung der Illusion)
Absicht des Autors
Will erschüttern, Leidenschaft des Publikums wecken und kultivieren/lehren (Katharsis)
Will Abstand zwischen Bühne und Zuschauer schaffen, Arbeit mit Verfremdung, um Vertrautes unvertraut wirken zu lassen




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